Wirkungsraster

Das Wirkungsraster ist ein Werkzeug zur strukturierten Wirkungsbeurteilung einer eingeführten organisatorischen Gestaltung.

Es unterstützt dabei, die Wirkungserwartung, die nach der Einführung vorliegenden Befunde, beobachtbare Veränderungen, deren Beziehung zur Wirkungserwartung und eine begründbare Wirkungszuschreibung voneinander zu unterscheiden. Der nach Einführung beobachtbare organisatorische Zustand wird gesondert anhand der relevanten Qualitätsmerkmale bewertet; Grenzen und Unsicherheiten der Aussagekraft werden ausdrücklich berücksichtigt.

Funktion

Das Wirkungsraster unterstützt die Wirkungsprüfung bei der Beurteilung einer eingeführten organisatorischen Gestaltung.

Es trennt dabei insbesondere:

Diese Unterscheidung soll insbesondere verhindern, dass eine zeitliche Abfolge mit Kausalität oder die Erreichung einer Wirkungserwartung mit organisatorischer Qualität gleichgesetzt wird.

Struktur

1. Eingeführte Gestaltung

Welche organisatorische Gestaltung wurde eingeführt?

Die Gestaltung muss in die Organisation eingebracht worden sein. Ob und wie sie tatsächlich angewandt wird, kann selbst Gegenstand der Befunde nach Einführung sein.

2. Wirkungserwartung

Welche organisatorische Wirkung soll im Zusammenhang mit dieser Gestaltung geprüft werden?

Die Wirkungserwartung muss so bestimmt sein, dass relevante Befunde dazu in Beziehung gesetzt werden können.

Nachträglich rekonstruierte Wirkungserwartungen müssen als solche erkennbar bleiben.

3. Relevante Befunde nach Einführung

Welche relevanten organisatorischen Befunde liegen nach der Einführung vor – auch wenn sie nicht der ursprünglichen Wirkungserwartung entsprechen?

Berücksichtigt werden die für die Wirkungsbeurteilung relevanten Befunde. Dazu gehören auch unerwartete oder der ursprünglichen Wirkungserwartung widersprechende Befunde.

4. Vergleich und Veränderung

Womit lassen sich die Befunde nach Einführung sinnvoll vergleichen und welche Veränderungen zeigen sich daraus?

Ohne einen geeigneten Vergleichsbezug darf keine unbegründete Aussage über eine Veränderung getroffen werden.

5. Beziehung zur Wirkungserwartung

Wie verhalten sich die Befunde und beobachtbaren Veränderungen zur Wirkungserwartung?

Die Beziehung zur Wirkungserwartung wird begründet beschrieben. Das Wirkungsraster verlangt dafür keine Pflichtskala oder Ampellogik.

6. Wirkungszuschreibung

In welchem Umfang lässt sich begründet annehmen, dass die eingeführte Gestaltung zu den beobachtbaren Veränderungen beigetragen hat, und welche anderen relevanten Einflüsse sind zu berücksichtigen?

Das Wirkungsraster verlangt keinen experimentellen Kausalnachweis. Die Stärke der Wirkungszuschreibung darf jedoch nicht über das hinausgehen, was die Untersuchungsgrundlage begründet.

7. Qualitätsbewertung

Wie ist der nach Einführung beobachtbare organisatorische Zustand anhand der relevanten Qualitätsmerkmale zu beurteilen?

Berücksichtigt werden nur die Qualitätsmerkmale, die für den betrachteten Zusammenhang relevant sind.

Die Erreichung einer Wirkungserwartung ist nicht mit organisatorischer Qualität gleichzusetzen.

8. Grenzen und Unsicherheiten

Was begrenzt die Aussagekraft der Wirkungsbeurteilung?

Grenzen und Unsicherheiten können sich beispielsweise aus dem betrachteten Zusammenhang, der Untersuchungsgrundlage oder dem Beobachtungszeitraum ergeben. Sie begrenzen die Reichweite der Wirkungsbeurteilung und werden ausdrücklich berücksichtigt.

Ergebnis

Ergebnis ist eine nachvollziehbar begründete Wirkungsbeurteilung, die zwischen beobachtbaren Veränderungen, ihrem Bezug zur Wirkungserwartung, einer begründbaren Wirkungszuschreibung und der organisatorischen Qualitätsbewertung unterscheidet.

Zulässige Ergebnisse der Anwendung sind auch, dass

Arbeitsraster

Das Raster kann in folgender kompakter Form verwendet werden:

Element Eintrag
Eingeführte Gestaltung Welche organisatorische Gestaltung wurde eingeführt?
Wirkungserwartung Welche organisatorische Wirkung soll geprüft werden?
Befunde nach Einführung Welche relevanten Befunde liegen vor?
Vergleich und Veränderung Womit ist ein Vergleich sinnvoll und welche Veränderungen zeigen sich?
Beziehung zur Wirkungserwartung Wie verhalten sich Befunde und Veränderungen zur Erwartung?
Wirkungszuschreibung Welcher Beitrag der Gestaltung ist begründbar und welche anderen Einflüsse sind relevant?
Qualitätsbewertung Wie ist der beobachtbare Zustand anhand relevanter Qualitätsmerkmale zu beurteilen?
Grenzen und Unsicherheiten Was begrenzt die Aussagekraft der Beurteilung?

Das Raster ist hinreichend bearbeitet, wenn beobachtbare Befunde, Veränderungen, Wirkungserwartung, Wirkungszuschreibung und Qualitätsbewertung unterscheidbar bleiben und keine Aussage über die verfügbare Untersuchungsgrundlage hinausgeht.

Anwendung

Die Elemente des Wirkungsrasters sind keine linearen Arbeitsschritte.

Bei der Wirkungsbeurteilung kann beispielsweise erkennbar werden, dass zusätzliche Befunde benötigt werden, ein Vergleichsbezug nicht trägt oder die Wirkungserwartung präzisiert werden muss.

Die eingeführte Gestaltung muss nicht mit dem Gestaltungsraster entwickelt worden sein. Voraussetzung sind eine hinreichend bestimmbare eingeführte Gestaltung und eine hinreichend bestimmbare Wirkungserwartung.

Abgrenzung

Das Wirkungsraster unterstützt die Wirkungsprüfung, ersetzt sie aber nicht.

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