Gestaltungsraster

Das Gestaltungsraster ist ein Werkzeug zur strukturierten Entwicklung und Begründung organisatorischer Gestaltungsentwürfe.

Es unterstützt dabei, die betriebliche Anforderung, die angestrebte organisatorische Wirkung und den konkreten Gestaltungsentwurf voneinander zu unterscheiden und relevante Auswirkungen, Wechselwirkungen und Gestaltungsprinzipien in die Gestaltung einzubeziehen. Wesentliche Spannungen und Abwägungen werden ausdrücklich berücksichtigt.

Funktion

Das Gestaltungsraster unterstützt die Organisationsgestaltung bei der Entwicklung und Begründung eines konkreten organisatorischen Gestaltungsentwurfs.

Es trennt dabei insbesondere:

Diese Unterscheidung soll verhindern, dass aus einer betrieblichen Anforderung unmittelbar eine organisatorische Lösung abgeleitet wird, ohne die angestrebte Wirkung, relevante Zusammenhänge und bestehende Spannungen ausdrücklich zu berücksichtigen.

Struktur

1. Betriebliche Anforderung

Was muss im betrachteten Zusammenhang möglich sein?

Die betriebliche Anforderung beschreibt, was im betrachteten Zusammenhang geleistet oder ermöglicht werden muss.

2. Angestrebte organisatorische Wirkung

Was soll sich organisatorisch verändern?

Die angestrebte organisatorische Wirkung beschreibt die Veränderung, die durch die Gestaltung in der Organisation erreicht werden soll.

3. Gestaltungsentwurf

Wie soll der betrachtete organisatorische Zusammenhang konkret gestaltet sein?

Der Gestaltungsentwurf beschreibt, wie der betrachtete organisatorische Zusammenhang künftig gestaltet sein soll.

Ein Entwurf ist hinreichend konkret, wenn er erkennen lässt, was sich im betrachteten organisatorischen Zusammenhang und in den Bedingungen betrieblichen Handelns verändern soll.

4. Relevante Auswirkungen und Wechselwirkungen

Welche weiteren organisatorischen Zusammenhänge werden durch den Entwurf voraussichtlich berührt und welche Veränderungen sind dort zu erwarten?

Hier werden die voraussichtlich relevanten Auswirkungen des Entwurfs auf weitere organisatorische Zusammenhänge und die daraus entstehenden Wechselwirkungen berücksichtigt.

5. Begründung aus den Gestaltungsprinzipien

Welche Gestaltungsprinzipien sind für den Entwurf relevant und welche konkrete Bedeutung haben sie für diese Gestaltung?

Die für den Entwurf relevanten Gestaltungsprinzipien werden benannt und auf ihre konkrete Bedeutung für die betrachtete Gestaltung bezogen.

Die Gestaltungsprinzipien sind dabei keine starre Checkliste.

6. Wesentliche Abwägungen

Welche relevanten Spannungen oder Zielkonflikte bestehen und wie werden sie im Entwurf berücksichtigt?

Wesentliche Spannungen und Zielkonflikte werden ausdrücklich benannt. Der Entwurf macht nachvollziehbar, wie mit ihnen umgegangen wird.

7. Prüfbezug

Woran soll nach der Einführung erkennbar werden, ob die angestrebte organisatorische Wirkung eingetreten ist?

Der Prüfbezug bestimmt, welche später beobachtbaren Befunde oder Veränderungen für die Beurteilung der angestrebten Wirkung relevant sein können.

Er verlangt keine Kennzahl. Abhängig von der Gestaltung können beispielsweise Zeitaufwand, notwendige Eingriffe, Rückfragen, Fehler, Nacharbeiten, Informationsvollständigkeit, Wartezeiten, Abhängigkeiten oder anderes beobachtbares Handeln relevant sein.

Der Prüfbezug nimmt die spätere Wirkungsprüfung nicht vorweg. Er schafft eine Grundlage dafür, nach der Einführung geeignete Befunde zu erheben und mit der Wirkungserwartung in Beziehung zu setzen.

Ergebnis

Ergebnis ist ein hinreichend konkreter und nachvollziehbar begründeter organisatorischer Gestaltungsentwurf.

Arbeitsraster

Das Raster kann in folgender kompakter Form verwendet werden:

Element Eintrag
Betriebliche Anforderung Was muss im betrachteten Zusammenhang möglich sein?
Angestrebte organisatorische Wirkung Was soll sich organisatorisch verändern?
Gestaltungsentwurf Wie soll der Zusammenhang konkret gestaltet sein?
Auswirkungen und Wechselwirkungen Welche weiteren Zusammenhänge werden voraussichtlich berührt?
Relevante Gestaltungsprinzipien Welche Prinzipien sind relevant und was bedeuten sie für den Entwurf?
Wesentliche Abwägungen Welche Spannungen oder Zielkonflikte bestehen und wie werden sie behandelt?
Prüfbezug Woran soll die angestrebte Wirkung nach der Einführung erkennbar werden?

Das Raster ist hinreichend bearbeitet, wenn Anforderung, angestrebte Wirkung und Gestaltung unterscheidbar bleiben, der Entwurf die relevanten organisatorischen Veränderungen erkennen lässt, seine wesentlichen Auswirkungen und Abwägungen nachvollziehbar berücksichtigt sind und ein für die spätere Wirkungsprüfung geeigneter Prüfbezug bestimmt ist.

Das Gestaltungsraster unterstützt vor allem die Entwicklung und Begründung eines Entwurfs. Die Entscheidung für den Entwurf und die Herstellung seiner Anwendungsbedingungen erfolgen im Rahmen der Organisationsgestaltung.

Anwendung

Die Elemente des Gestaltungsrasters sind keine linearen Arbeitsschritte.

Bei der Entwicklung eines Gestaltungsentwurfs können beispielsweise erwartete Auswirkungen eine Überarbeitung des Entwurfs erforderlich machen oder wesentliche Abwägungen die angestrebte organisatorische Wirkung präzisieren.

Der Prüfbezug kann während der Gestaltung erkennen lassen, dass die angestrebte Wirkung noch nicht hinreichend bestimmt ist. Er wird dann gemeinsam mit ihr präzisiert.

Tiefe und Umfang der Bearbeitung richten sich nach der konkreten Gestaltung.

Die Gestaltungsprinzipien sind keine starre Checkliste. Berücksichtigt werden die Prinzipien, die für den jeweiligen Entwurf relevant sind.

Abgrenzung

Das Gestaltungsraster unterstützt die Organisationsgestaltung, ersetzt sie aber nicht.

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