Methoden
Methoden beschreiben wiederverwendbare Vorgehensweisen zur systematischen Bearbeitung bestimmter organisatorischer Fragestellungen.
Sie wenden die begrifflichen und theoretischen Grundlagen des Frameworks auf konkrete Organisation an und können dafür Modelle, Qualitätsmerkmale und Gestaltungsprinzipien miteinander verbinden.
Während Modelle organisatorische Zusammenhänge beschreibbar und erklärbar machen, strukturieren Methoden das Vorgehen bei konkreten Fragestellungen.
Werkzeuge unterstützen die Durchführung einzelner methodischer Schritte.
Methodenbereich und Abgrenzung
Die Methoden des Frameworks beginnen dort, wo eine betriebliche Anforderung, ein beobachtetes Problem oder ein bestimmter Gestaltungsbedarf auf organisatorische Bedingungen bezogen werden kann.
Sie klären nicht selbstständig,
- ob eine Strategie oder ein Geschäftsmodell grundsätzlich richtig ist,
- welche rechtliche oder sicherheitstechnische Fachentscheidung gilt,
- welche technische Architektur gewählt werden muss,
- welche vollständige Finanz- oder Investitionsrechnung vorzunehmen ist oder
- welches allgemeine Projekt- und Change-Management anzuwenden ist.
Solche Fragen können der Organisationsdiagnose oder Organisationsgestaltung wichtige Voraussetzungen liefern. Die Methoden des Frameworks untersuchen anschließend, wie die daraus entstehenden Anforderungen in Rollen, Entscheidungen, Informationen, Prozessen, Regeln, Abhängigkeiten und tatsächlichem Handeln wirksam werden.
Die Methoden sind dadurch weder fachlich beliebig noch auf interne Abläufe beschränkt. Ihr Gegenstand ist die organisatorische Übersetzung fachlicher Anforderungen in handlungsfähige Bedingungen.
Funktion der Methoden
Methoden schaffen eine Verbindung zwischen den theoretischen Grundlagen des Frameworks und ihrer Anwendung auf konkrete Organisation.
Eine Methode besitzt einen bestimmten Zweck und Gegenstand. Sie beschreibt ein nachvollziehbares Vorgehen und führt zu einem bestimmbaren Ergebnis.
Dieses Ergebnis muss keine konkrete Lösung sein.
Eine Methode kann beispielsweise dazu dienen,
- einen organisatorischen Zusammenhang zu untersuchen,
- einen bestehenden Zustand zu bewerten,
- Gestaltungsbedarf zu bestimmen,
- eine organisatorische Veränderung zu entwickeln,
- oder die Wirkung einer bereits vorgenommenen Veränderung zu untersuchen.
Welche Bestandteile des Frameworks dabei verwendet werden, hängt von der jeweiligen Fragestellung ab.
Methodische Grundunterscheidung
Bei der Anwendung des Frameworks werden vier Tätigkeiten voneinander unterschieden:
Beobachten
Was geschieht tatsächlich?
Ausgangspunkt ist das tatsächliche betriebliche Handeln und die tatsächlich wirksame Organisation.
Eine Beobachtung enthält für sich genommen noch keine Erklärung dafür, warum ein Zustand besteht.
Untersuchen
Welche organisatorischen Zusammenhänge bestehen?
Die Modelle des Frameworks stellen unterschiedliche Perspektiven bereit, mit denen beobachtete organisatorische Zusammenhänge beschrieben und erklärt werden können.
Abhängig von der Fragestellung können mehrere Modelle miteinander kombiniert werden.
Bewerten
Wie ist der untersuchte Zustand zu beurteilen?
Die Beschreibung oder Erklärung eines organisatorischen Zustands bestimmt noch nicht, ob dieser Zustand problematisch oder veränderungsbedürftig ist.
Die Qualitätsmerkmale des Frameworks stellen dafür die maßgeblichen Beurteilungsperspektiven bereit.
Gestalten
Besteht Gestaltungsbedarf und wie sollte gegebenenfalls gestaltet werden?
Aus einer Bewertung folgt nicht automatisch eine bestimmte Lösung.
Die Gestaltungsprinzipien geben Orientierung für organisatorische Veränderungen, ohne für unterschiedliche Situationen eine einheitliche Gestaltung vorzugeben.
Keine zwingend lineare Abfolge
Beobachten, Untersuchen, Bewerten und Gestalten beschreiben unterschiedliche Tätigkeiten bei der Anwendung des Frameworks.
Sie bilden keine zwingend lineare Abfolge.
Eine Untersuchung kann neue Beobachtungen erforderlich machen. Eine Bewertung kann zeigen, dass weitere Zusammenhänge untersucht werden müssen. Während der Gestaltung können Annahmen über die bestehende Organisation erneut überprüft werden.
Nach organisatorischen Veränderungen kann deren Wirkung wiederum Gegenstand neuer Beobachtung, Untersuchung und Bewertung werden.
Einzelne Methoden können sich daher auf eine oder mehrere dieser Tätigkeiten beziehen.
Beobachtung ist nicht Erklärung
Die methodische Trennung der Tätigkeiten verhindert vorschnelle Schlussfolgerungen.
Beobachtung ist nicht Erklärung.
Erklärung ist nicht Bewertung.
Bewertung bestimmt nicht die Gestaltung.
Die Beobachtung, dass Mitarbeitende häufig den Geschäftsführer um Entscheidungen bitten, erklärt beispielsweise noch nicht, warum dies geschieht.
Mögliche Zusammenhänge können unter anderem in der Verfügbarkeit von Informationen, bestehenden Handlungsspielräumen, der organisatorischen Zuordnung von Entscheidungen, Rollen, Abhängigkeiten oder Koordinationsbeziehungen liegen.
Erst die Untersuchung macht diese Zusammenhänge sichtbar.
Auch ihr Vorliegen bestimmt noch nicht automatisch, dass eine Veränderung erforderlich ist. Dies ist anhand der relevanten Qualitätsmerkmale zu beurteilen.
Erst daraus kann gegebenenfalls Gestaltungsbedarf abgeleitet werden.
Verhältnis der Framework-Ebenen
Die Ebenen des Frameworks erfüllen unterschiedliche Funktionen:
| Ebene | Funktion |
|---|---|
| Definitionen | schaffen eine gemeinsame begriffliche Grundlage |
| Axiome | formulieren grundlegende Annahmen über Organisation |
| Modelle | machen organisatorische Zusammenhänge beschreibbar und erklärbar |
| Qualitätsmerkmale | ermöglichen die Beurteilung organisatorischer Zustände |
| Gestaltungsprinzipien | orientieren organisatorische Gestaltung |
| Methoden | strukturieren das Vorgehen bei konkreten organisatorischen Fragestellungen |
| Werkzeuge | unterstützen die konkrete Durchführung |
Diese Funktionen sind voneinander zu unterscheiden, ohne dass die Ebenen unabhängig voneinander wären.
Methoden können abhängig von ihrem Zweck auf mehrere dieser Ebenen zurückgreifen.
Anforderungen an Methoden
Eine Methode des Frameworks benötigt:
- einen klar bestimmten Zweck,
- einen bestimmten organisatorischen Gegenstand oder eine bestimmte Fragestellung,
- ein nachvollziehbares und wiederverwendbares Vorgehen,
- einen erkennbaren Bezug zu den Grundlagen des Frameworks,
- und ein bestimmbares Ergebnis.
Eine Methode führt nicht zwangsläufig zu einer organisatorischen Veränderung.
Ihr Ergebnis kann ebenso in einer strukturierten Beschreibung, einer Erklärung, einer Bewertung oder einer begründeten Gestaltungsentscheidung bestehen.
Methoden sollen dabei keine zusätzlichen theoretischen Annahmen, Qualitätsmaßstäbe oder Gestaltungsregeln einführen, die nicht aus den entsprechenden Ebenen des Frameworks begründet werden können.
Methoden und Werkzeuge
Methoden und Werkzeuge sind nicht gleichzusetzen.
Eine Methode beschreibt das fachliche Vorgehen zur Bearbeitung einer organisatorischen Fragestellung.
Werkzeuge unterstützen einzelne Schritte dieses Vorgehens, beispielsweise bei der Erhebung, Darstellung, Dokumentation oder Auswertung.
Ein Workshop, eine Checkliste, ein Interviewleitfaden, eine Darstellungsnotation oder eine Software bilden daher nicht allein aufgrund ihrer Verwendung eine Methode des Frameworks.
Ebenso gehört eine außerhalb des Frameworks bestehende Methode nicht automatisch zu den Methoden des Frameworks.
Die kanonischen Methoden dieses Frameworks entstehen aus seinen eigenen begrifflichen und theoretischen Grundlagen und dienen deren systematischer Anwendung.
Leitfrage
Wie können konkrete organisatorische Fragestellungen systematisch untersucht, bewertet und gestaltet werden?
Methoden
Die konkreten Methoden werden aus wiederkehrenden organisatorischen Fragestellungen entwickelt.
Eine Methode wird nur dann als eigenständige Methode des Frameworks aufgenommen, wenn sie einen klar bestimmten Zweck erfüllt und dafür ein nachvollziehbares, wiederverwendbares Vorgehen bereitstellt.
Daher gibt es hier diese drei Methoden:
Mit dem Framework arbeiten
Die drei Methoden können einen wiederkehrenden Arbeitszusammenhang bilden:
Fragestellung oder Anforderung klären → diagnostizieren → gegebenenfalls gestalten und einführen → Wirkung prüfen → Folgerungen ziehen
Dieser Zusammenhang ist kein verpflichtender Gesamtprozess. Nicht jede praktische Fragestellung erfordert alle drei Methoden:
- Ist ein organisatorischer Zustand oder Gestaltungsbedarf ungeklärt, unterstützt die Organisationsdiagnose seine Untersuchung und Bewertung.
- Ist eine betriebliche Anforderung oder ein Gestaltungsbedarf hinreichend bestimmt, kann unmittelbar Organisationsgestaltung erfolgen.
- Wurde eine Gestaltung eingeführt und besteht ein bestimmbarer Wirkungsbezug, kann ihre Wirkung geprüft werden.
- Eine Wirkungsprüfung kann neuen Diagnose- oder Gestaltungsbedarf sichtbar machen.
Die Ergebnisse schaffen mögliche Übergänge zwischen den Methoden:
| Methode | Ergebnis mit Bedeutung für die weitere Arbeit |
|---|---|
| Organisationsdiagnose | begründete Diagnose und gegebenenfalls bestimmter Gestaltungsbedarf |
| Organisationsgestaltung | begründete Gestaltungsentscheidung, gegebenenfalls eingeführte Gestaltung und bestimmbare Wirkungserwartung |
| Wirkungsprüfung | begründete Wirkungsbeurteilung und gegebenenfalls weiterer Diagnose- oder Gestaltungsbedarf |
Art, Tiefe und Dokumentation der Anwendung richten sich nach Fragestellung, Bedeutung, Risiko und Komplexität. In einem einfachen Zusammenhang kann eine kurze gemeinsame Klärung genügen; ein weitreichender oder risikoreicher Zusammenhang kann eine ausführlichere Untersuchung und Dokumentation erfordern.