Modelle
Die bisherigen Kapitel beschreiben, was unter Organisation verstanden wird, welche grundlegenden Annahmen dem Framework zugrunde liegen, welche Eigenschaften eine handlungsfähige Organisation auszeichnen und nach welchen Prinzipien sie gestaltet wird.
Modelle überführen diese Grundlagen in vereinfachte Darstellungen organisatorischer Zusammenhänge.
Sie helfen dabei, einen Ausschnitt der betrieblichen Realität so zu strukturieren, dass relevante Elemente und Beziehungen sichtbar, beschreibbar und untersuchbar werden.
Ein Modell bildet dabei nicht die gesamte Organisation ab. Es reduziert bewusst auf diejenigen Zusammenhänge, die für eine bestimmte Fragestellung relevant sind.
Die Modelle des Frameworks betrachten dabei die organisationale Mitte eines Unternehmens. Sie setzen eine betriebliche Funktion, Anforderung oder Fragestellung voraus und untersuchen, welche organisatorischen Bedingungen das dafür erforderliche Handeln ermöglichen oder beeinträchtigen. Sie modellieren nicht automatisch die Entstehung der Anforderung, die strategische Richtigkeit einer Leistung oder das vollständige wirtschaftliche Ergebnis.
Das Handlungsfähigkeitsmodell bildet als Basismodell den grundlegenden Zusammenhang des Frameworks. Die weiteren Modelle vertiefen einzelne Beziehungen und Wirkmechanismen innerhalb dieses Zusammenhangs. Sie sind keine voneinander unabhängigen Gesamtbeschreibungen einer Organisation und müssen nicht bei jeder Analyse vollständig angewendet werden. Abhängig von der Fragestellung werden diejenigen Modelle kombiniert, die für den betrachteten organisatorischen Zusammenhang relevant sind.
Funktion der Modelle
Modelle schaffen die Verbindung zwischen den theoretischen Grundlagen des Frameworks und seiner praktischen Anwendung.
Sie dienen dazu,
- organisatorische Zusammenhänge zu strukturieren,
- relevante Beziehungen sichtbar zu machen,
- unterschiedliche Betrachtungsebenen voneinander zu unterscheiden,
- Beobachtungen in einen organisatorischen Zusammenhang einzuordnen,
- und eine gemeinsame Grundlage für Analyse und Gestaltung zu schaffen.
Modelle liefern dabei noch keine fertige Diagnose und keine konkrete Lösung.
Sie bestimmen zunächst, was betrachtet wird und in welchem Zusammenhang es betrachtet wird.
Die darauf aufbauenden Methoden beschreiben, wie mit diesen Modellen gearbeitet wird. Werkzeuge unterstützen ihre konkrete Anwendung.
Anforderungen an Modelle
Ein Modell des Frameworks soll nur so viel Komplexität abbilden, wie für seinen Zweck erforderlich ist.
Es soll
- auf den Definitionen und Axiomen des Frameworks aufbauen,
- mit den Qualitätsmerkmalen und Gestaltungsprinzipien vereinbar sein,
- relevante Zusammenhänge sichtbar machen, ohne Vollständigkeit vorzutäuschen,
- auf unterschiedliche Unternehmensgrößen und Organisationsformen anwendbar sein,
- und eine klare Grenze seines Betrachtungsgegenstands besitzen.
Ein Modell ist damit keine Beschreibung dessen, wie ein Unternehmen organisiert sein soll. Es stellt einen Zusammenhang bereit, anhand dessen bestehende oder mögliche Organisation untersucht werden kann.
Anschluss an angrenzende Fachgebiete
Eine organisatorische Fragestellung kann durch Anforderungen aus anderen Fachgebieten ausgelöst werden. Beispielsweise kann ein neues Geschäftsmodell, eine gesetzliche Vorgabe, ein Lieferantenrisiko, ein Investitionsvorhaben oder eine technische Veränderung organisatorische Gestaltung erforderlich machen.
Die Modelle des Frameworks beantworten dann nicht die jeweils vorgelagerte Fachfrage. Sie untersuchen, welche Bedingungen des betrieblichen Handelns davon betroffen sind.
Damit gilt:
- Eine strategische Entscheidung kann eine organisatorische Anforderung begründen, wird aber nicht durch das Framework strategisch bewertet.
- Eine technische Lösung kann organisatorische Bedingungen verändern, wird aber nicht allein durch das Framework technisch spezifiziert.
- Eine wirtschaftliche Zielsetzung kann den erforderlichen Aufwand oder die gewünschte Wirkung bestimmen, wird aber nicht durch das Framework als vollständige Wirtschaftlichkeitsrechnung abgebildet.
- Eine rechtliche oder sicherheitsbezogene Vorgabe kann einen verbindlichen Rahmen setzen, wird aber nicht durch das Framework fachlich ausgelegt.
Das Framework untersucht jeweils die organisatorische Übersetzung dieser Anforderungen in betriebliches Handeln.
Verhältnis von Modellen, Methoden und Werkzeugen
Die drei Ebenen bauen aufeinander auf:
Modelle strukturieren, was betrachtet wird.
Methoden beschreiben, wie es untersucht oder gestaltet wird.
Werkzeuge unterstützen die konkrete Durchführung.
Diese Trennung verhindert, dass einzelne Checklisten, Diagramme oder Beratungstechniken selbst zum Framework werden. Sie bleiben Anwendungen einer übergeordneten theoretischen und methodischen Struktur.
Leitfrage
Welche organisatorischen Zusammenhänge müssen wir sichtbar machen, um betriebliche Handlungsfähigkeit beschreiben, untersuchen und gestalten zu können?
Auswahlorientierung
Modelle werden nach der konkreten Fragestellung ausgewählt und können miteinander kombiniert werden. Die folgende Orientierung ist keine verbindliche Zuordnung:
| Fragestellung oder Beobachtung | Naheliegende Modellperspektive | Häufig relevante Ergänzung |
|---|---|---|
| Erforderliches Handeln ist nicht oder nur eingeschränkt möglich. | Handlungsfähigkeitsmodell | Abhängigkeits-, Informations- oder Kompensationsmodell |
| Aufeinander bezogenes Handeln wirkt nicht angemessen zusammen. | Koordinationsmodell | Prozess- oder Informationsmodell |
| Beschriebene Organisation und tatsächliches Handeln unterscheiden sich. | Reproduktionsmodell | das für den Sachverhalt relevante weitere Modell |
| Handlungsfähigkeit entsteht nur durch zusätzliches Eingreifen oder besonderen Einsatz. | Kompensationsmodell | Abhängigkeitsmodell |
| Mehrere Handlungszusammenhänge hängen von demselben Bezugspunkt ab. | Abhängigkeitsmodell | Rollen-, Informations- oder Entscheidungsmodell |
| Relevante Informationen sind vorhanden, aber für das Handeln nicht angemessen verfügbar. | Informationsmodell | Koordinations- oder Entscheidungsmodell |
| Entscheidungen fallen an ungeklärten Stellen an oder sammeln sich bei einzelnen Personen. | Entscheidungsmodell | Rollen-, Informations- oder Abhängigkeitsmodell |
| Organisatorische Zuordnung, Rollenwahrnehmung und tatsächliche Ausführung unterscheiden sich. | Rollenmodell | Abhängigkeits- oder Entscheidungsmodell |
| Prozessbeschreibung und beobachtbares Handeln unterscheiden sich. | Prozessmodell | Koordinations- oder Reproduktionsmodell |
Die Auswahlorientierung ersetzt keine Untersuchung. Eine erste Modellperspektive kann Befunde erzeugen, durch die weitere Modelle relevant werden.