Prozessmodell
Modellkern
Das Prozessmodell beschreibt die Handlungszusammenhänge innerhalb betrieblicher Prozesse. Es macht sichtbar, welches betriebliche Handeln ein betrachteter Prozess umfasst und wie dieses Handeln innerhalb des Prozesses aufeinander bezogen ist.
Basismodell
Der Rahmen kennzeichnet den gewählten Prozesszusammenhang. Die Pfeile zeigen relevante Beziehungen zwischen dem darin betrachteten Handeln, nicht zwingend einen vollständig determinierten Ablauf.
Anwendung
- Welcher betriebliche Prozess wird betrachtet?
- Wie wird der Prozess für die Betrachtung gegenüber anderen Handlungszusammenhängen abgegrenzt?
- Welches betriebliche Handeln umfasst der betrachtete Prozess?
- Wie ist dieses Handeln innerhalb des Prozesses aufeinander bezogen?
- Wie verhält sich der organisatorisch beschriebene Prozess zum tatsächlich beobachtbaren Handeln?
Optionale praktische Betrachtungspunkte
Abhängig von der Fragestellung kann die Anwendung durch weitere Betrachtungspunkte ergänzt werden. Dazu können insbesondere gehören:
- der Auslöser, mit dem der betrachtete Prozess beginnt,
- das Ergebnis oder der Zustand, mit dem er endet,
- Häufigkeit und zeitlicher Aufwand,
- Wartezeiten und Rücksprünge,
- Übergaben zwischen Handlungen, Rollen oder technischen Systemen,
- zusätzliche Eingriffe, Rückfragen oder Nacharbeiten,
- sowie Bedingungen, unter denen der Prozess vom beschriebenen Verlauf abweicht.
Diese Betrachtungspunkte sind keine verpflichtenden Bestandteile jeder Prozessuntersuchung. Sie werden nur berücksichtigt, soweit sie für die konkrete organisatorische Fragestellung relevant sind.
Modellgrenzen
Keine Ablaufkettenannahme
Ein Prozess muss nicht linear verlaufen.
Keine Dokumentationsgleichsetzung
Ein betrieblicher Prozess, das tatsächlich beobachtbare Handeln und seine Darstellung oder Dokumentation sind nicht gleichzusetzen.
Keine Gleichsetzung mit Regel oder Standard
Regeln und Standards können Prozesse prägen, sind aber nicht mit Prozessen identisch.
Keine Mehrpersonenannahme
Ein Prozess setzt weder mehrere Personen noch mehrere Rollen voraus.
Keine objektiv eindeutige Prozessgrenze
Die Abgrenzung eines Prozesses hängt vom organisatorischen und analytischen Betrachtungsrahmen ab.
Keine feste Granularität
Prozesse können auf unterschiedlichen Ebenen betrachtet und in kleinere Handlungszusammenhänge untergliedert werden.
Keine vollständige Vorbestimmung
Ein Prozess muss das konkrete Handeln nicht vollständig festlegen; Handlungsspielräume und situative Entscheidungen können Bestandteil des Prozesses sein.
Keine automatische Qualitätsbewertung
Dass ein Prozess definiert, dokumentiert oder wiederholbar ist, sagt für sich genommen nichts über seine organisatorische Qualität aus.
Diagnostische Kernaussage
Ein Prozess ist nicht mit seiner Beschreibung gleichzusetzen. Das Prozessmodell unterscheidet den organisatorisch beschriebenen Prozess vom tatsächlich beobachtbaren Handlungszusammenhang.
Abweichungen zwischen beiden sind zunächst ein Befund und nicht automatisch ein Organisationsfehler.
Abgrenzung zu den bisherigen Modellen
- Das Handlungsfähigkeitsmodell betrachtet den Zusammenhang zwischen Organisation und betrieblichem Handeln; das Prozessmodell fasst betriebliches Handeln innerhalb eines gewählten Prozesses als Handlungszusammenhang.
- Das Koordinationsmodell untersucht die Abstimmung aufeinander bezogenen Handelns; das Prozessmodell bestimmt den betrachteten Prozesszusammenhang, innerhalb dessen solche Beziehungen liegen können.
- Das Reproduktionsmodell betrachtet die Fortführung oder Veränderung von Organisation über Zeit; das Prozessmodell beschreibt den Handlungszusammenhang innerhalb eines Prozesses.
- Das Kompensationsmodell untersucht kompensierendes Handeln bei Beeinträchtigungen; das Prozessmodell bewertet solche Beeinträchtigungen oder Kompensationen nicht.
- Das Abhängigkeitsmodell untersucht Abhängigkeiten der Handlungsfähigkeit; das Prozessmodell zeigt zunächst nur, welches Handeln zum betrachteten Prozesszusammenhang gehört und wie es aufeinander bezogen ist.
- Das Informationsmodell untersucht die Bedeutung und Verfügbarkeit von Informationen für betriebliches Handeln; das Prozessmodell setzt keine bestimmte Informationsbeziehung voraus.
- Das Entscheidungsmodell untersucht Entscheidungen, Handlungsspielräume und ihre Beziehungen zum Handeln; das Prozessmodell betrachtet Entscheidungen nur insofern als Bestandteil des Handlungszusammenhangs.
- Das Rollenmodell untersucht die Zuordnung von Handeln zu Rollen und Personen; das Prozessmodell setzt weder bestimmte Rollen noch mehrere handelnde Personen voraus.