Prozessmodell

Modellkern

Das Prozessmodell beschreibt die Handlungszusammenhänge innerhalb betrieblicher Prozesse. Es macht sichtbar, welches betriebliche Handeln ein betrachteter Prozess umfasst und wie dieses Handeln innerhalb des Prozesses aufeinander bezogen ist.

Basismodell

Innerhalb eines Prozesses verzweigt Handlung A in die Handlungen B und C; beide führen zu Handlung D.

Der Rahmen kennzeichnet den gewählten Prozesszusammenhang. Die Pfeile zeigen relevante Beziehungen zwischen dem darin betrachteten Handeln, nicht zwingend einen vollständig determinierten Ablauf.

Anwendung

  1. Welcher betriebliche Prozess wird betrachtet?
  2. Wie wird der Prozess für die Betrachtung gegenüber anderen Handlungszusammenhängen abgegrenzt?
  3. Welches betriebliche Handeln umfasst der betrachtete Prozess?
  4. Wie ist dieses Handeln innerhalb des Prozesses aufeinander bezogen?
  5. Wie verhält sich der organisatorisch beschriebene Prozess zum tatsächlich beobachtbaren Handeln?

Optionale praktische Betrachtungspunkte

Abhängig von der Fragestellung kann die Anwendung durch weitere Betrachtungspunkte ergänzt werden. Dazu können insbesondere gehören:

Diese Betrachtungspunkte sind keine verpflichtenden Bestandteile jeder Prozessuntersuchung. Sie werden nur berücksichtigt, soweit sie für die konkrete organisatorische Fragestellung relevant sind.

Modellgrenzen

Keine Ablaufkettenannahme

Ein Prozess muss nicht linear verlaufen.

Keine Dokumentationsgleichsetzung

Ein betrieblicher Prozess, das tatsächlich beobachtbare Handeln und seine Darstellung oder Dokumentation sind nicht gleichzusetzen.

Keine Gleichsetzung mit Regel oder Standard

Regeln und Standards können Prozesse prägen, sind aber nicht mit Prozessen identisch.

Keine Mehrpersonenannahme

Ein Prozess setzt weder mehrere Personen noch mehrere Rollen voraus.

Keine objektiv eindeutige Prozessgrenze

Die Abgrenzung eines Prozesses hängt vom organisatorischen und analytischen Betrachtungsrahmen ab.

Keine feste Granularität

Prozesse können auf unterschiedlichen Ebenen betrachtet und in kleinere Handlungszusammenhänge untergliedert werden.

Keine vollständige Vorbestimmung

Ein Prozess muss das konkrete Handeln nicht vollständig festlegen; Handlungsspielräume und situative Entscheidungen können Bestandteil des Prozesses sein.

Keine automatische Qualitätsbewertung

Dass ein Prozess definiert, dokumentiert oder wiederholbar ist, sagt für sich genommen nichts über seine organisatorische Qualität aus.

Diagnostische Kernaussage

Ein Prozess ist nicht mit seiner Beschreibung gleichzusetzen. Das Prozessmodell unterscheidet den organisatorisch beschriebenen Prozess vom tatsächlich beobachtbaren Handlungszusammenhang.

Abweichungen zwischen beiden sind zunächst ein Befund und nicht automatisch ein Organisationsfehler.

Abgrenzung zu den bisherigen Modellen