Rollenmodell
Modellkern
Das Rollenmodell beschreibt die Beziehungen zwischen betrieblichem Handeln, Rollen und Personen. Es macht sichtbar, welches betriebliche Handeln Rollen organisatorisch zugeordnet ist, welches weitere Handeln denselben Rollen zugeordnet ist und welche Personen diese Rollen wahrnehmen.
Die Beziehungen können jeweils mehrfach bestehen:
Damit lassen sich mehrere Handlungen pro Rolle, mehrere Personen pro Rolle und mehrere Rollen pro Person darstellen.
Anwendung
- Welches erforderliche betriebliche Handeln wird betrachtet?
- Welcher Rolle ist dieses Handeln organisatorisch zugeordnet?
- Welches weitere betriebliche Handeln ist derselben Rolle zugeordnet?
- Welche Person oder Personen nehmen die Rolle wahr?
- Wer führt das betrachtete Handeln tatsächlich aus?
Diagnostische Kernaussage
Die organisatorische Zuordnung von Handeln zu einer Rolle, die personelle Wahrnehmung dieser Rolle und die tatsächliche Ausführung des Handelns sind unterscheidbare Sachverhalte.
Methodischer Hinweis
Aus beobachtetem wiederkehrendem Handeln darf nicht automatisch auf das Vorliegen einer bestimmten Rolle geschlossen werden.
Modellgrenzen
Keine Gleichsetzung von Funktion und Rolle
Eine betriebliche Funktion beschreibt ein betriebliches Erfordernis. Eine Rolle strukturiert menschliches Handeln. Das Rollenmodell ordnet daher nicht Funktionen, sondern betriebliches Handeln Rollen zu.
Keine Gleichsetzung von Rolle und Person
Eine Rolle ist von der Person zu unterscheiden, die sie wahrnimmt. Die personelle Wahrnehmung kann wechseln, ohne dass Rolle und Person dadurch identisch werden.
Keine 1:1-Annahme
Einer Rolle können mehrere Handlungen und mehrere Personen zugeordnet sein. Umgekehrt kann eine Person mehrere Rollen wahrnehmen.
Keine Eindeutigkeitsnorm
Das Modell fordert nicht, dass jedes Handeln genau einer Rolle oder jede Rolle genau einer Person zugeordnet sein muss. Es kann auch mehrdeutige, überlappende oder fehlende Zuordnungen sichtbar machen.
Keine Rollenpflicht
Das Modell behauptet nicht, dass jedes erforderliche betriebliche Handeln einer Rolle zugeordnet sein muss. Insbesondere nichtmenschliches oder automatisiertes Handeln setzt keine Rolle voraus.
Keine Organigrammannahme
Rollen müssen weder Stellen noch Kästchen in einem Organigramm entsprechen. Das Modell setzt keine bestimmte Aufbauorganisation voraus.
Keine automatische Problembewertung
Abweichungen zwischen organisatorischer Zuordnung, personeller Wahrnehmung und tatsächlicher Ausführung sind nicht automatisch problematisch. Das Modell macht sie zunächst nur sichtbar.
Keine Gleichsetzung mit Abhängigkeit
Die Wahrnehmung einer Rolle durch eine Person begründet noch keine relevante Personenabhängigkeit. Ob die Handlungsfähigkeit bei deren Nichtverfügbarkeit beeinträchtigt wäre und hinreichende Alternativen fehlen, untersucht das Abhängigkeitsmodell.
Abgrenzung zu den bisherigen Modellen
Das Handlungsfähigkeitsmodell betrachtet die Beziehung zwischen Organisation und erforderlichem Handeln. Das Koordinationsmodell untersucht Beziehungen zwischen Handlungen, das Reproduktionsmodell die Wirkung wiederholten Handelns auf Organisation und das Kompensationsmodell den Umgang mit Beeinträchtigungen der Handlungsfähigkeit. Das Abhängigkeitsmodell untersucht relevante Abhängigkeiten, das Informationsmodell die Beziehungen zwischen Handeln und Information und das Entscheidungsmodell Entscheidungen innerhalb von Handlungsspielräumen.
Das Rollenmodell ergänzt diese Perspektiven, indem es die organisatorische Zuordnung menschlichen Handelns zu Rollen und die Wahrnehmung dieser Rollen durch Personen unterscheidbar macht.