Entscheidungsmodell
Modellkern
Das Entscheidungsmodell beschreibt die organisatorische Einbettung betrieblicher Entscheidungen. Es macht sichtbar, innerhalb welcher Handlungsspielräume Entscheidungen getroffen werden, welche Informationen dafür relevant sind und welches betriebliche Handeln von ihnen betroffen ist.
Der Handlungsspielraum beschreibt den Rahmen, innerhalb dessen die Entscheidung getroffen wird. Informationen können für die Entscheidung relevant sein. Entscheidungen können weiteres oder unterbleibendes betriebliches Handeln betreffen.
Anwendung
- Welche organisatorisch relevante Entscheidung wird betrachtet?
- Innerhalb welchen Handlungsspielraums wird sie getroffen?
- Wo ist die Entscheidung organisatorisch vorgesehen und wo wird sie tatsächlich getroffen?
- Welche Informationen sind für die Entscheidung relevant?
- Welches betriebliche Handeln ist von der Entscheidung betroffen?
Dass viele Entscheidungen bei einer Person anfallen, beschreibt zunächst nur ein sichtbares Muster. Das Entscheidungsmodell untersucht, wie diese Entscheidungen organisatorisch eingebettet sind.
Modellgrenzen
Keine Entscheidungslehre
Das Modell beschreibt die organisatorische Einbettung von Entscheidungen. Es gibt keine Verfahren oder Methoden für das Treffen von Entscheidungen vor.
Keine Qualitätsbewertung der Entscheidung
Das Modell bewertet nicht, ob eine Entscheidung richtig, gut oder wirtschaftlich sinnvoll ist.
Keine Hierarchieannahme
Das Modell setzt nicht voraus, dass Entscheidungen hierarchisch getroffen oder freigegeben werden.
Keine Mehrpersonenpflicht
Eine Entscheidung muss nicht zwischen mehreren Personen oder Rollen abgestimmt werden. Das Modell ist auch auf Entscheidungen einzelner Personen anwendbar.
Keine Vollständigkeitsannahme
Das Modell bildet nur die für die jeweilige organisatorische Fragestellung relevanten Entscheidungen und Beziehungen ab.
Keine Gleichsetzung von Regel und Entscheidung
Regeln können Handlungsspielräume begrenzen, strukturieren oder verlagern. Sie sind nicht mit der konkreten Festlegung innerhalb einer Situation gleichzusetzen.
Keine Gleichsetzung mit Information, Abhängigkeit oder Koordination
Informationen können für Entscheidungen relevant sein, Handeln kann von Entscheidungen abhängen und Entscheidungen können Koordination erfordern. Das Entscheidungsmodell betrachtet jedoch eigenständig die organisatorische Einbettung der Entscheidung.
Abgrenzung zu den bisherigen Modellen
Das Handlungsfähigkeitsmodell betrachtet allgemein die Beziehung zwischen Organisation und betrieblichem Handeln; das Entscheidungsmodell fokussiert die besondere Einbettung von Entscheidungen innerhalb von Handlungsspielräumen. Das Koordinationsmodell betrachtet das Zusammenwirken betrieblichen Handelns, das Reproduktionsmodell dessen Beitrag zur Fortführung oder Veränderung von Organisation und das Kompensationsmodell den Umgang mit Beeinträchtigungen der Handlungsfähigkeit. Das Abhängigkeitsmodell macht sichtbar, wovon Handlungsfähigkeit abhängt, während das Informationsmodell die Relevanz und Verfügbarkeit von Informationen für betriebliches Handeln betrachtet.