Abhängigkeitsmodell
Das Abhängigkeitsmodell beschreibt relevante Abhängigkeiten betrieblicher Handlungsfähigkeit. Es macht sichtbar, wovon erforderliches betriebliches Handeln abhängt, wo sich mehrere Abhängigkeiten auf denselben Bezugspunkt konzentrieren und welche Bereiche betrieblicher Handlungsfähigkeit davon betroffen sind.
X und Y können je nach Fall beispielsweise Personen, Informationen, Entscheidungen, Wissen,
technische Funktionen, Ressourcen oder andere relevante Bezugspunkte sein. Diese Beispiele sind
keine abschließende Taxonomie.
Anwendung
Welches erforderliche betriebliche Handeln wird betrachtet?
Wovon hängt dieses Handeln konkret ab?
Welche weiteren Handlungszusammenhänge hängen von demselben Bezugspunkt ab?
Welche Bereiche betrieblicher Handlungsfähigkeit wären betroffen, wenn dieser Bezugspunkt nicht hinreichend gegeben wäre?
Modellgrenzen
Keine Vollständigkeitsannahme.
Es werden nur Abhängigkeiten betrachtet, die für die jeweilige organisatorische Fragestellung
relevant sind.
Keine automatische Problembewertung.
Abhängigkeiten sind normaler Bestandteil von Arbeitsteilung, Spezialisierung und Organisation.
Keine Beschränkung auf Personen.
Personenabhängigkeit ist nur eine mögliche Form betrieblicher Abhängigkeit.
Keine Gleichsetzung mit Koordination.
Koordination untersucht die organisatorische Behandlung von Beziehungen zwischen Handlungen. Das
Abhängigkeitsmodell untersucht, wovon Handlungsfähigkeit abhängt.
Keine Gleichsetzung mit Risiko.
Das Modell bewertet keine Eintrittswahrscheinlichkeiten, Schadenshöhen oder Risikoklassen.
Keine Gleichsetzung mit Kompensation.
Das Modell zeigt eine Abhängigkeit. Das Kompensationsmodell zeigt, wie Auswirkungen einer
Beeinträchtigung gegebenenfalls ausgeglichen werden.
Theoretische Konsequenzen
Personenabhängigkeit ist kein eigenständiges Grundphänomen, sondern eine besondere Form konzentrierter betrieblicher Abhängigkeit.
Die sichtbare Abhängigkeit von einer Person kann auf unterschiedlichen zugrunde liegenden Abhängigkeiten beruhen – etwa von Wissen, Entscheidung, Beziehung oder Zugriff.
Abgrenzung zu den bisherigen Modellen
Das Handlungsfähigkeitsmodell beschreibt den Zusammenhang zwischen betrieblicher Funktion, erforderlichem betrieblichem Handeln und Organisation. Das Koordinationsmodell betrachtet die organisatorische Behandlung von Beziehungen zwischen Handlungen. Das Reproduktionsmodell beschreibt die wechselseitige Beziehung zwischen Organisation und betrieblichem Handeln über die Zeit. Das Kompensationsmodell zeigt, wie Auswirkungen einer Beeinträchtigung gegebenenfalls ausgeglichen werden. Das Abhängigkeitsmodell richtet den Blick dagegen darauf, wovon erforderliches betriebliches Handeln abhängt, wo sich Abhängigkeiten konzentrieren und welche Bereiche betrieblicher Handlungsfähigkeit davon betroffen sind.