Kompensationsmodell

Das Kompensationsmodell beschreibt, wie Beeinträchtigungen betrieblicher Handlungsfähigkeit ganz oder teilweise ausgeglichen werden. Es macht sichtbar, welches Handeln oder welche organisatorischen Vorkehrungen dazu beitragen, erforderliches betriebliches Handeln trotz beeinträchtigender Bedingungen zu ermöglichen.

Eine beeinträchtigende Bedingung schwächt Handlungsfähigkeit; eine Kompensation gleicht die Beeinträchtigung aus.

Kompensation kann insbesondere durch menschliches Handeln, organisatorische Vorkehrungen, technische Mechanismen oder verfügbare Ressourcen erfolgen. Dies sind Beispiele, keine abschließenden Kategorien.

Beobachtete Handlungsfähigkeit lässt nicht unmittelbar darauf schließen, unter welchen organisatorischen Bedingungen sie entsteht.

Anwendung

Das Modell fragt:

Welche Bedingung beeinträchtigt oder bedroht die erforderliche Handlungsfähigkeit?

Wie wird diese Beeinträchtigung tatsächlich ausgeglichen?

Wodurch wird die Kompensation ermöglicht und wovon hängt sie ab?

Welche Handlungsfähigkeit wäre ohne diese Kompensation gegeben?

Aus zusätzlichem Eingreifen darf nicht automatisch geschlossen werden, dass es erforderlich ist.

Modellgrenzen

Keine automatische Problembewertung.
Kompensation ist nicht allein aufgrund ihrer Existenz positiv oder negativ zu bewerten. Das Modell macht sie zunächst sichtbar; ihre Bewertung erfolgt anhand der Qualitätsmerkmale und Gestaltungsprinzipien.

Keine Gleichsetzung mit Robustheit.
Robustheit beschreibt eine Qualität der Organisation. Kompensation beschreibt einen Mechanismus, durch den diese Qualität in einer konkreten Situation entstehen kann. Kompensation kann Robustheit ermöglichen, ist aber nicht automatisch Ausdruck guter Organisation.

Keine Beschränkung auf Personen.
Kompensation kann auch durch organisatorische Vorkehrungen, technische Mechanismen oder verfügbare Ressourcen erfolgen.

Keine Gleichsetzung mit Ineffizienz.
Nicht jede Ineffizienz ist Kompensation. Entscheidend ist, ob etwas im betrachteten Zusammenhang eine Beeinträchtigung betrieblicher Handlungsfähigkeit ganz oder teilweise ausgleicht.

Keine vollständige Ursachenanalyse.
Das Modell zeigt, was beeinträchtigt und was ausgleicht. Es erklärt nicht automatisch sämtliche Ursachen der beeinträchtigenden Bedingung oder der Kompensation.

Verhältnis zu den bisherigen Modellen