Abhängigkeiten bewusst behandeln
Kernaussage
Relevante Abhängigkeiten werden darauf geprüft, ob die ihnen zugrunde liegende Gestaltung unter den konkreten Bedingungen angemessen ist. Vermeidbare Abhängigkeiten werden reduziert. Verbleibende Abhängigkeiten werden entsprechend ihrer Bedeutung gestaltet oder bewusst akzeptiert.
Erläuterung
Abhängigkeiten sind kein Organisationsfehler an sich. Arbeitsteilung, Spezialisierung, Koordination, Risikobegrenzung oder wirtschaftliche Entscheidungen können Abhängigkeiten erzeugen, die sinnvoll oder unvermeidbar sind.
Entscheidend ist, dass relevante Abhängigkeiten nicht allein deshalb fortbestehen, weil sie historisch entstanden sind.
Bei einer relevanten Abhängigkeit wird zunächst gefragt, ob sie überhaupt bestehen muss. Erst danach wird entschieden, wie mit ihr umzugehen ist.
Eine verbleibende Abhängigkeit kann beispielsweise durch Vertretung, Redundanz, Eskalationswege, alternative Ressourcen oder andere organisatorische Maßnahmen behandelt werden. Ebenso kann ihre bewusste Akzeptanz angemessen sein.
Das Prinzip fordert deshalb weder maximale Unabhängigkeit noch maximale Redundanz.
Diagnostische Leitfragen
- Wovon hängt dieses betriebliche Handeln tatsächlich ab?
- Welche dieser Abhängigkeiten sind für die gewählte Organisation erforderlich oder sinnvoll?
- Welche bestehen lediglich deshalb, weil die Organisation historisch so entstanden ist?
- Welche Auswirkungen hat es, wenn eine relevante Voraussetzung nicht oder nicht rechtzeitig verfügbar ist?
- Kann die Abhängigkeit mit angemessenem Aufwand reduziert werden?
- Wenn sie bestehen bleibt: Muss sie organisatorisch behandelt werden oder kann ihr Risiko bewusst akzeptiert werden?