Organisatorische Komplexität
Organisatorische Komplexität bezeichnet das Ausmaß relevanter Unterscheidungen und Beziehungen, die im Rahmen der Organisation für betriebliches Handeln oder für die Gestaltung und Veränderung der Organisation berücksichtigt werden müssen.
Erläuterung
Organisatorische Komplexität ist nicht mit der Anzahl von Mitarbeitern, Rollen, Prozessen, Regeln oder anderen organisatorischen Elementen gleichzusetzen. Wenige Elemente können durch zahlreiche Beziehungen, Varianten oder Abhängigkeiten hohe Komplexität erzeugen; zusätzliche Struktur kann umgekehrt Komplexität reduzieren.
Auch betriebliche Vielfalt erzeugt nicht automatisch organisatorische Komplexität. Sie wird organisatorisch erst insoweit relevant, wie unterschiedliche Sachverhalte unterschiedlich behandelt oder bei Entscheidungen, Handlungen oder Gestaltung berücksichtigt werden müssen.
Organisatorische Komplexität ist außerdem nicht mit individueller Schwierigkeit gleichzusetzen. Wissen, Erfahrung und Kompetenz beeinflussen, wie schwierig eine Situation für eine bestimmte Person ist, verändern aber nicht allein die zugrunde liegenden organisatorischen Unterscheidungen und Beziehungen.
Komplexität kann für das unmittelbare Handeln reduziert oder verborgen werden, ohne vollständig zu verschwinden. Standards, technische Systeme, Arbeitsteilung oder externe Dienstleister können beispielsweise dafür sorgen, dass einzelne Rollen weniger Komplexität bewältigen müssen. Die zugrunde liegende Komplexität kann dennoch für Pflege, Koordination, Fehlerbehandlung oder spätere Veränderungen relevant bleiben.
Fehlende Formalisierung bedeutet deshalb ebenfalls nicht geringe Komplexität. Informelle Regeln, situative Abstimmungen, wiederkehrende Rückfragen oder ungeklärte Zuständigkeiten können zahlreiche Unterscheidungen und Beziehungen erzeugen, die beim tatsächlichen Handeln berücksichtigt werden müssen.
Organisatorische Komplexität ist kontextbezogen, aber nicht bloß subjektiv. Welche Unterscheidungen und Beziehungen relevant sind, hängt vom betrachteten betrieblichen Handeln und vom Gestaltungsgegenstand ab.
Die Definition enthält keine Bewertung der Komplexität. Ob sie erforderlich, vermeidbar oder unangemessen ist, wird erst durch die Qualitätsmerkmale und insbesondere durch Gestaltungsprinzip 7 beurteilt.
Abgrenzungen
Komplexität ≠ Unternehmensgröße
Komplexität ≠ Anzahl organisatorischer Elemente
Komplexität ≠ Vielfalt an sich
Komplexität ≠ Formalisierungsgrad
Komplexität ≠ individuelle Schwierigkeit
Konsequenzen
Mehr Struktur kann Komplexität reduzieren.
Vereinfachung an einer Stelle kann Komplexität lediglich verlagern oder verbergen.