Plötzlich zappenduster – was nun?

Plötzlich war es zappenduster! Niemand hat damit gerechnet!
Matthias Sommerfeld

Matthias Sommerfeld

Digitale Organisationsberatung

Inhaltsangabe:

Plötzlich war es zappenduster! Niemand hat damit gerechnet! Was nun?

Viele Selbstständige und kleine Unternehmen in Berlin – darunter auch einige meiner Kunden – waren vom bisher längsten Stromausfall in der Nachkriegsgeschichte Berlins betroffen.
Plötzlich keine E-Mails, keine Cloud, keine Kasse. Und keine Ahnung, wie es weitergehen soll.

Die Frage kam auf: Wie stellt man sein digitales Unternehmen eigentlich resilient auf? Denn ohne Strom war es tatsächlich unmöglich, einfach so weiterzuarbeiten. Aber ein paar einfache Vorbereitungen können helfen, dass du nicht völlig aufgeschmissen bist:

  • Notfall-Stromversorgung sichern:
    Ein USV (unterbrechungsfreie Stromversorgung) für Router, Laptop und wichtige Geräte hält dich
    mindestens 30–60 Minuten online. Für längere Ausfälle lohnt sich ein kleines Solarpanel oder Powerstation – damit kannst du zumindest Rechnungen schreiben, Mails abrufen oder Kunden informieren.

  • Offline-Arbeitsfähigkeit herstellen: Wichtige Dokumente, Kontakte und Verträge lokal auf dem Rechner oder einem verschlüsselten USB-Stick speichern. Tools wie Notion oder Todoist bieten Offline-Modi – nutze sie, um auch ohne Internet weiterarbeiten zu können.

  • Homeoffice für alle: Stelle sicher, dass ihr "von überall" arbeiten könnt. Dann kann zumindest der Teil der Mitarbeiter mobil oder von zu Hause arbeiten, der nicht zwingend vor Ort gebraucht wird.
    Also Laptops für diese Mitarbeiter, VPN-Zugang für den Fernzugang einrichten. Sicherstellen, dass der physische Zugriff auf wichtige Dinge geregelt ist, wenn nötig.

  • Kommunikations-Plan B: Eine SIM-Karte mit mobilem Hotspot oder ein prepaid-Datentarif im Schubladentelefon können im Notfall die Rettung sein. So bleibst du erreichbar und kannst Grundfunktionen wie Mails oder Messenger nutzen.

  • Analoge Backups: Eine gedruckte Liste mit den wichtigsten Kundenkontakten, Lieferanten und Passwörtern (sicher verwahrt!) hilft, wenn alle Systeme ausfallen. Auch eine manuelle Kassenlösung oder Block und Stift für Bestellungen sind Gold wert.

  • Cloud-Dienste mit Offline-Sync: Nutze Dienste wie Nextcloud oder Google Drive, die Dateien automatisch lokal synchronisieren. So hast du auch ohne Internet Zugang zu deinen Unterlagen – und kannst später alles hochladen, wenn die Verbindung wieder steht.

  • Regelmäßige Backups – und testen! Externe Festplatten oder NAS-Systeme, die nicht dauernd am Strom hängen, schützen vor Datenverlust. Wichtig: Backups auch mal wirklich zurückspielen, um sicherzugehen, dass sie funktionieren.

  • Krisenkommunikation vorbereiten: Ein kurzer Notfall-Text für Website, Social Media oder Aushang („Wegen Stromausfall aktuell nur eingeschränkt erreichbar – wir melden uns, sobald alles wieder läuft“) spart Zeit und zeigt Kunden, dass du vorbereitet bist.

  • Lieferketten und Partner checken: Kläre mit wichtigen Lieferanten oder Dienstleistern, wie sie im Ernstfall reagieren – und ob es Alternativen gibt. Manchmal reicht schon ein Telefonat, um Engpässe zu vermeiden.

  • Notfall-Routine üben: Einmal im Jahr bewusst „offline gehen“ und prüfen: Was funktioniert noch? Wo hakt es? Das macht dich und dein Team sicherer – und deckt Schwachstellen auf, bevor es ernst wird.

Welche dieser Maßnahmen hast du bereits umgesetzt? Was davon hältst du für dein Unternehmen für sinnvoll – oder hast du eigene Tipps, die ich hier ergänzen sollte? Schreibe es in die Kommentare – deine Erfahrungen interessieren mich brennend!

Häufige Fragen

1. „Ich habe kein Budget für teure Notfall-Lösungen – was sind die günstigsten Maßnahmen?“

Antwort:
Die meisten Basics kosten wenig oder nichts:

  • USV für Router/Laptop: Gibt es schon ab 50–100 € (z. B. von APC oder CyberPower).
  • Offline-Dokumente: Ein verschlüsselter USB-Stick (ab ca. 20 €) und gedruckte Kontaktdaten reichen als Start.
  • Mobilfunk-Backup: Eine Prepaid-SIM mit Datentarif (z.T. ab 10 €/Monat) und ein altes Smartphone als Hotspot.
  • Cloud-Sync: Nextcloud oder Google Drive nutzen – die kostenlosen Versionen synchronisieren lokal.
    → Tipp: Fang mit einer Sache an (z. B. USB-Stick + Notfall-SMS-Vorlage) und baue schrittweise aus.

2. „Wie oft muss ich Backups testen?“

Antwort:
Mindestens 2x pro Jahr – am besten an einem „Stromausfall-Tag“:

  1. Daten zurückspielen (z. B. eine Rechnung oder Kundenliste).
  2. Kommunikation prüfen: Kannst du mit dem Hotspot Mails senden?
  3. Analoge Tools testen: Funktioniert die manuelle Kasse/der Notizblock?
    → Bonus: Nutze den Test, um dein Team einzubinden – so weiß jeder, was zu tun ist.

3. „Meine Kunden erwarten 24/7-Erreichbarkeit – wie kommuniziere ich einen Ausfall?“

Antwort:
Vorbereitet sein ist alles:

  • Automatische E-Mail-Antwort einrichten (z. B. in Gmail: „Wegen technischer Störung antworten wir verzögert – dringend? Ruf an unter [Notfallnummer].“).
  • Social-Media-Post vorbereiten (Vorlage im Blogpost!).
  • Aushang fürs Büro/Ladenlokal erstellen (z. B. QR-Code mit Infos).
    → Beispieltext:

    „Liebe Kunden, wir haben aktuell technische Probleme und arbeiten mit Hochdruck an einer Lösung. Danke für eure Geduld!“


4. „Ich arbeite allein – lohnt sich der Aufwand?“

Antwort:
Gerade als Solopreneur bist du der einzige Engpass. Ein Stromausfall von 4 Stunden kann schnell 1.000 € Umsatz kosten (z. B. durch ausgefallene Termine oder Lieferverzögerungen). Mit den Maßnahmen hier bist du in 2–3 Stunden Setup für 80 % der Fälle gewappnet.
→ Rechnung:

  • 1 USV (100 €) + 1 Powerbank (50 €) + 1 Stunde Vorbereitung = Investition: 150 €.
  • Ersparnis: Keine Panik, keine improvisierten Lösungen, kein Vertrauensverlust bei Kunden.

5. „Was, wenn meine Lieferanten/Dienstleister auch betroffen sind?“

Antwort:

  • Kritische Partner identifizieren: Wer ist systemrelevant? (z. B. Hosting-Anbieter, Zahlungsdienstleister).
  • Notfallkontakte hinterlegen: Frage nach deren Krisenplan (z. B. „Wie erreiche ich dich bei Ausfall?“).
  • Plan B: Alternativen recherchieren (z. B. lokaler Druckservice, falls dein Cloud-Drucker streikt).

6. „Ich habe Angst, etwas zu vergessen – wie bleibe ich strukturiert?“

Antwort:

  • Checkliste erstellen Schreib auf, was es im Notfall braucht. Z. B. Notfall-Kontakte, wo ist die USV, Anleitung für den Hotspot.
  • Jährliches „Resilienz-Update“ im Kalender blocken (z. B. mit dem Backup-Test).
  • Todoist/Notion nutzen: Lege eine Liste „Notfall-Tools“ an mit Links zu Anleitungen (z. B. „Wie aktiviere ich den mobilen Hotspot?“).

7. „Ich bin kein Technik-Profi – wie kompliziert ist die Umsetzung?“

Antwort:
Die meisten Lösungen sind Plug-and-Play:

  • USV: Einstecken, Geräte anschließen, fertig.
  • Offline-Modi: In Todoist/Notion einfach aktivieren (Anleitung verlinken?).
    → Mein Tipp: Such dir einen „Tech-Buddy“ (z. B. einen IT-affinen Freund), der dir bei der Erst-Einrichtung hilft.

8. „Was kann ich jetzt sofort tun?“

Antwort:
Drei Dinge, die du in 30 Minuten erledigen kannst:

  1. Notfall-SMS an Kunden vorbereiten (Speichere sie als Entwurf im Handy).
  2. Wichtigste Dokumente auf den USB-Stick kopieren.
  3. Powerbank neben den Laptop legen.